Peruanisches Textil Erbe

Im ländlichen Peru ist es durchaus üblich, Menschen anzutreffen, die mit einer einfachen Spindel Garn produzieren, während sie mit ihren Nachbarn plaudern und oft sieht man im Innenhof der Behausungen einfach eingerichtete Webstühle. Diese traditionelle Szene wiederspiegelt eine tausendjährige Handwerkskunst, welche die Einheimischen seit jeher mit Kleidern und Arbeitsgeräten versorgt hat. Die Weber und Stricker nutzten die reichlich vorhandenen Textilressourcen Perus: Alpaka, Lama, Vikunja, Baumwolle und andere pflanzliche Fasern. Mit geschickten Händen verspannen sie Fasern und verstricken und verwebten Garne und Körbe, Netze und Stoffe.

Die Entwicklung der präkolumbianischen Kulturen sah die Entstehung einer eigenen Weber-Klasse. Deren hoher Grad an Spezialisierung erlaubte es ihnen, anspruchsvolle Produkte herzustellen und die Techniken des Spinnens, Webens und Färbens zu meistern. Tücher bekamen eine grosse Bedeutung in den Andenkulturen und dienten unterschiedlichen Funktionen: Sie waren ein soziales Statussymbol und wurden unverzichtbar als Tauschmittel in einer Wirtschaft, in der es kein Geld gab. Die Inkas verlangten Abgaben in Form von Tüchern und machten ihren Göttern in religiösen Ritualen textile Opfergaben, insbesondere aus Vikunja und Alpaka.

Trotz neuer Bräuche und Techniken die mit der Ankunft der Spanier eingeführt wurden, überlebten viele der ursprünglichen textilen Traditionen, indem sie die neuen Konzepte aus Europa integrierten. Heute beschränkt sich die peruanische Textilindustrie schon lange nicht mehr auf die ländlichen Gebiete. Eine moderne Industrie ist entstanden, die das traditionelle Savoir-faire mit modernster Technik kombiniert, um das ehrwürdige Textilerbe Perus fortzusetzen.